Der Kirchenbau

Für einen Trakt des Kollegiums mit den ersten Schulräumen und die (heutige) Schmerzenskapelle erfolgte am 2.9.1698 durch Kaiser Leopold l. die feierliche Grundsteinlegung. Die ältesten und einzig erhaltenen Pläne (Generalatsarchiv des Piaristenordens, Rom) stammen von dem Horner Baumeister Bartholomäus HochhaIdtinger. An diese hat man sich auch im ersten Bauabschnitt bis 1700 gehalten, den der Wiener Maurermeister Simon Andreas Carove mit seinem Polier Donatus Allio leitete. Dem Kirchenbau wurde aber ein völlig anderer Entwurf zugrunde gelegt, der Johann Lucas von Hildebrandt zugeschrieben werden kann (stilistische Ähnlichkeit mit der Laurentiuskirche in Gabel, 1699), und auf 1698-1699 zu datieren wäre. Doch konnte man erst 1716 an den Kirchenbau schreiten. Am 1. März wurde ein Sammelbrief erlassen, um ,,das schon von 17 Jahr vorhabende Kirch-Gebäu anzufangen", was durch das Anwachsen der Bevölkerung und der Schülerzahl bereits dringend notwendig geworden war. Im Winter 1720/21 wurde der Rohbau der Kirche, erst teilweise eingewölbt, gedeckt, gleichzeitig wurden die von Ordensbrüdern geschnitzten Bänke, aber erst provisorische Altäre aufgestellt. Im März 1722 begann man den Bau des Gewölbes über dem Presbyterium, in den folgenden Jahren wurden Sakristei und Beichtkapelle erbaut, die Oratorien vollendet sowie die Fassade bis zum großen Gesimse emporgeführt. Die Leitung der Arbeiten übernahm 1716 Franz Jänggl, der seit 1706 für Hildebrandt tätig war. 1731 kam es aber zwischen dem Kollegium und ihm zum Bruch, der das endgültige Ausscheiden Jänggls bedingte. Die letzte Bauphase begann 1750 unter der Leitung des Wiener Baumeisters Mathias Gerl (ein Grundriß ,,Baumeister Gerl" in der Albertina, Wien). 1751 wurde die Fassade und der unvollendete Südturm zum Abschluß gebracht, die Presbyteriumswand abgetragen und die Kirche durch den Anbau eines neuen Altarraumes erweitert. 1752 vollendete man die Kuppel über dem seit 1721 überdeckten Mittelraum. Sie geht als einziger wesentlicher Bestandteil wohl nicht auf Hildebrandt zurück - dieser hatte wie in Gabel und der Wiener Peterskirche eine hohe Tambourkuppel geplant - sondern dürfte wie die Säulengliederung der Vorhalle eine Planänderung durch den Prager Meister KiIian Ignaz Dientzenhofer darstellen, der einige Zeit in Wien ,,bei verschiedenen berühmten Baukünstlern als Palier" arbeitete und hier 1725 eine Grundrißvariante der Kirche anfertigte (Kreuzherrenarchiv, Prag). 1753 arbeiteten in der Kirche noch der ,,Marmel-Stein-Metz", Stukkateur, Bildhauer und Vergolder, von 1754-1756 entstand der Hochaltar. Am 26. Mai 1771 fand endlich die feierliche Konsekration der Kirche und des Hochaltares durch Kardinal Christoph von Migazzi statt. 1858-1860 wurden die konvex geschwungene, durch Pilaster und Halbsäulen gegliederte Fassade (Figurenschmuck von J. Ch. Mader, 1752: Glaube, Hoffnung und Liebe, Wappen des 1751 gestorbenen ersten Erzbischofs von Wien Sigismund Graf Kollonitz, eines großen Freundes und Förderers des Ordens) und die Türme durch Franz Sitte in Anlehnung an eine Zeichnung Salomon Kleiners, die vor 1724 entstanden war, ausgebaut. Die Idee des gesamten Baues zielt auf drei Stellungen Mariens im Heilsgeschehen. Die Säule auf dem ehrenhofartigen Platz vor der Kirche (J. Ph. Prokop, 1713) erinnert an die lmmakulata als Siegerin über das Böse, der Hauptaltar an Mariens irdisches Leben als Magd des Herrn, wodurch sie für den Menschen als treue Mittlerin im Himmel berufen erscheint, wie wir sie in den Fresken verherrlicht sehen.

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